Reba Si – Kulturprojekt Reba 84 erhalten

Ein Anwalt für die Reitbahnstraße

Offenes Hilfegesuch aus Chemnitz von der Initiative zur Rettung des kulturellen Freiraumes „Reitbahnstraße 84“

Der Leuchtturm der freien Kunstszene und alternativen Lebenskultur in Chemnitz, die Reitbahnbahnstraße 84, soll abgeschaltet werden. Damit steht einer der letzten Freiräume der Subkultur in Zentrumsnähe vor dem Aus. Besitzer des Objektes ist die Grundstücks- und Gebäudewirtschaftsgesellschaft mbH (GGG), eine 100%-ige Tochter der Stadt, die den Mietvertrag Anfang Januar zum 30.6.2010 gekündigt hat. Die bisherigen Mieter, die sich im Verein “Wiederbelebung kulturellen Brachlands e.V. ” organisiert haben, sind zu Recht enttäuscht, dass ihre Bemühungen für den Erhalt des Objektes (Reitbahnstraße 84) nun vergebens gewesen sein sollen.

Durch die Kündigung wurde die bereits vom Stadtrat beschlossene Erweiterung mit Ateliers, Ausstellungsflächen und Cafés zum „Experimentellen Karree“ torpediert, für die sich in dem seit über zwei Jahren etablierten Wohnprojekt und Treffpunkt der kreativen Szene der Verein „ExKA e.V.“ gegründet hatte.

Jetzt formiert sich ein breites Bündnis von Künstlern, Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, Studenten und Anwohnern, welches das Projekt und die mit ihm verbundene Idee eines offenen Forums für Kunst- und Lebenskultur an genau diesem Standort, dem Karree um die Reitbahnstraße 84, erhalten und weiterentwickeln will. Wir möchten in einen konstruktiven Dialog mit der Stadt treten und Projekte durchführen, die das Viertel attraktiv machen. Die Verhandlungsführung der GGG mit dem bisherigen Mieter war zu keinem Zeitpunkt kooperativ, oftmals sogar herablassend und sie richtete sich gegen den Stadtratsbeschluss zum „Experimentellen Karree“. Wir sind der Ansicht, dass der Prozess von Unrechtmäßigkeiten gekennzeichnet ist und möchten aus diesem Grunde die Vorgänge juristisch untersuchen lassen.

Wir suchen bundesweit Anwälte für Kommunalrecht, Mietrecht, Strafrecht, Urheberrecht, EU-Wettbewerbs- oder Subventionsrecht, die uns bei weiteren Auseinandersetzungen unterstützen. Ansatzpunkte für das juristische Handeln und die bisherige Entwicklung des Projektes entnehmen Sie bitte dem Anhang.

Seit Jahren kämpfen Vertreter der freien Kunstszene um die Nutzungsgenehmigungen in verschiedenen leerstehenden Gebäuden in Zentrumsnähe. Dabei scheitern sie bisher an der Blockadehaltung und den vorgeschobenen wirtschaftlichen Zwängen der GGG. (Die ARD Sendung MONITOR berichtete unlängst über zweifelhafte Aktivitäten der GGG in Chemnitz.) Einerseits wird in Chemnitz mit „attraktiven Angeboten und Freiräumen, sich zu verwirklichen” geworben. Andererseits wird bei einem konkreten, ausgereiften und bereits mit europäischen Fördergeldern (EFRE) bedachten Projekt, dem “Experimentellen Karree”, durch Untätigkeit seitens der Stadtverwaltung ein Scheitern in Kauf genommen. Fördergelder können aufgrund einer fehlenden Zusage zum Standort seitens der GGG nicht abgerufen werden. Die nun erfolgte Kündigung hindert die Stadtverwaltung allerdings nicht daran, die entwickelten Ideen für Marketingmaßnahmen z.B. für die Bewerbung um den Titel “Stadt der Wissenschaft” zu nutzen.

Wir sehen das Potenzial, das Chemnitz birgt und wollen mit juristischem Nachdruck der kulturellen Verödung in unserer Stadt Einhalt gebieten.
Bitte setzen Sie sich mit uns in Verbindung, wenn Sie uns mit Ihrem juristischen Knowhow unterstützen können.

Anhang

Ein kurzer Abriss der Geschichte des Wohn- und Kulturprojektes in der Reitbahnstraße 84 und des „Experimentellen Karrees“:

Im Jahr 2007 bezieht der Verein “Wiederbelebung kulturellen Brachlandes e.V.” (WKB) die Reitbahnstraße 84 mit einem unbefristeten Mietvertrag. Vermieter ist die Grundstücks- und Gebäudewirtschaftsgesellschaft mbH (GGG), eine 100%-ige Tochter der Stadt Chemnitz. Der Verein etabliert ein Wohnprojekt und bespielt zudem erfolgreich die im Erdgeschoss befindliche Veranstaltungsfläche.

Im Jahr 2008 lässt die Stadt Chemnitz von zwei Stadtplanungsagenturen ein Integriertes Handlungskonzept für das gesamte Reitbahnviertel erstellen, auf dessen Basis EU-Fördergelder (EFRE) beantragt werden. Das “Experimentelle Karree” wird dabei zum zentralen Bestandteil des Konzeptes. Dabei handelt es sich um eine Entwicklung und Initiative des Vereins “Wiederbelebung kulturellen Brachlandes e.V.” (WKB), die sowohl die Nutzung der Reitbahnstraße 84 als auch die der leerstehenden Nachbargebäude vorsieht. Zahlreiche Vereine und Initiativen können für die Mitarbeit gewonnen werden und beabsichtigen, sich in diesem Karree anzusiedeln.

Am 26.11.2008 wird im Chemnitzer Stadtrat die Umsetzung des “Experimentellen Karrees” am Standort Reitbahnstraße beschlossen.

Daraufhin gründet sich im Januar 2009 der Verein “Experimentelles Karree e.V.”, der die Koordinationsaufgaben für die verschiedenen Projekte im Karree übernimmt.

Im Mai 2009 unterläuft die GGG den Stadtratsbeschluss zum “Experimentellen Karree”, indem sie mit einem Privatinvestor (der Keilholz GmbH) eine Sanierungsvereinbarung abschließt, die die hochwertige Sanierung des Karrees beinhaltet. Daraufhin erhält der Verein “Experimentelles Karree e.V.” plötzlich keine Nutzungsgenehmigung für die Objekte Reitbahnstraße 80 und 82. Woraufhin die bewilligten EU-Fördermittel (EFRE) für das “Experimentellen Karrees” vom Verein nicht abgerufen werden können, da die Standortsicherheit des Projektes gefährdet ist.

Im November 2009 schließen die Vereine “Wiederbelebung kulturellen Brachlandes e.V.” und “Experimentelles Karree e.V.” eine Kooperationsvereinbarung, sodass Teile des Projektes in der Reitbahnstraße 84 starten können.

Am 4.1.2010 kündigt die GGG das Mietverhältnis für die Reitbahnstraße 84 zum 30.06.2010. Das Wohn- und Kulturprojekt Reitbahnstraße 84 sowie das “Experimentelle Karree” stehen vor dem Aus. Die bewilligten EU-Fördermittel können nicht abgerufen werden.

Am 1.2.2010 formiert sich ein breites gesellschaftliches Bündnis zur Initiative “REBA ja!” für den Erhalt des Wohn- und Kulturzentrums Reitbahnstraße 84.

Links

29 Reaktionen

  1. Jesus der spasssige Kommunist 20. März 2010, 22:27 Uhr

    “Wir möchten in den konstruktiven Dialog mit der Stadt und anderen Partnern treten und Projekte durchführen, die eine Attraktion für das Viertel, die Stadt und die Subkulturszene schaffen.”

    Dann gründet eine Firma für Eventmanagement!
    Der Fakt, dass in obigem Artikel nicht ein einziges Mal das Wort Mensch vorkommt, lässt nichts Gutes hoffen. Meiner Meinung nach hat sich die Reitbahnstraße 84 zumeist als politisches Projekt begriffen, das die Verbesserung von Lebensbedingungen für Menschen zum Ziel hatte, indem es sie ein Stück weit davon befreit hat, sich zu Sklaven der Chemnitzer Verhältnisse machen zu müssen; und zwar dadurch, dass hier versucht wurde, selbstorganisiert und solidarisch Projekte aufzuziehen, die diese Menschen erfüllen.
    Ob das für das Viertel, die Stadt oder die “Subkulturszene” (*brech*) irgendeinen Mehrwert erzeugt, ist dabei doch völlig egal gewesen. Ihr stilisiert hier praktisch das Abfallprodukt eines Prozesses zu seinem eigentlichen Zweck!

    Ich denke, ihr solltet mal etwas von eurem Marketing-Trip runterkommen und euch mit den verbleibenden ReBa-Idioten (inkl. mir) sorgfältiger um die Inhalte kümmern.
    Dann kann man sich auch getrost von den sinnlosen Übertreibungen im obigen Text verabschieden und die ReBa als das darstellen, was sie ist: Nämlich kein “Leuchtturm der freien Kunstszene und alternativen Lebenskultur in Chemnitz”, sondern ein halbgescheiterter Versuch eines selbstorganisierten Wohn- und Kulturprojektes.
    Außerdem dürfte durch die Zusammenarbeit mit politisch halbwegs fitten Leuten auch ausgeschlossen sein, dass aus Versehen Argumentationen gebracht werden, die man normalerweise von Leuten kennt, mit denen dieses Projekt nichts zu tun haben will (Heimatschutz etc.).

    Na dann: ReBa Si!

  2. Sebastian Laube 20. März 2010, 22:34 Uhr

    Wer so an der Arbeit und den Absichten Anderer herummeckert, erscheint hoffentlich auch montags zum Plenum und bringt sich ein! Neue Offenheit heißt auch sich als “Reba-Idiot” zu outen ;)

  3. Frank Weißbach 21. März 2010, 13:47 Uhr

    Die Reba84 sticht nicht nur durch die Lage, sondern auch durch das (“subkulturelle”) Potential, das dort zwischenzeitlich zu spüren war – wie Exka und Sommerakademie – und nun wieder ist, aus der Chemnitzer Subkulturszene heraus. Insofern ist die Bezeichnung “Leuchtturm” gerechtfertigt. Und genau dies, muss auch in das Bewusstsein der Öffentlichkeit vordringen.
    Dass einige der Bewohner durch die zurückliegenden Quärelen entnervt und sich dieses Potentials nicht mehr bewusst sind, kann ich allerdings nachvollziehen. Gerade deshalb ist es aber gut, dass sich nun andere für ein neues Image des Projektes einsetzen.

  4. tsss 22. März 2010, 15:06 Uhr

    “Heimat”… soso, das ist nun aus der hach so linkspolitischen reitbahnstraße geworden. schämt ihr euch denn gar nicht sowas zu publizieren? ich dachte heimat wäre ne alte scheiße? naja, wohl getäuscht…

  5. peter pauke 22. März 2010, 15:41 Uhr

    @Weißbach

    Gestatte mir mal die Frage, was das inhaltlich bedeuten soll, dem Projekt ein “neues Image” zu verpassen und zu welchem Zweck man so etwas tut?

  6. Jesus der spasssige Kolumnist 22. März 2010, 16:35 Uhr

    “Wer so an der Arbeit und den Absichten Anderer herummeckert, erscheint hoffentlich auch montags zum Plenum und bringt sich ein!”

    Erstens geht es mir nicht darum, an den Inhalten von Reba Si ‘herumzumeckern’. Ich will eine ernsthafte inhaltliche Auseinandersetzung über das Warum, das Wie, das Wozu dieses Prozesses,
    weil ich meine, dass Reba Si im Eifer der Inszenierung vergisst, ihr eigenes Wollen und Tun kritisch zu hinterfragen. Hier sollte eine offene Grundsatzdiskussion geführt werden, in der Positionen zu fundamentalen Dingen abgesteckt
    werden können.

    Zweitens finde ich die Ansicht, dass Kritik den Kritiker zum Mitmachen verpflichtet pervers. Vielmehr sollte es doch so sein, dass Kritik den Kritisierten zur Reflektion verpflichtet. Und ob ich nun zum Plenum anwesend bin oder meine Kritik
    auf eurem Blog anbringe, ist im Endeffekt auch mehr oder weniger bummi.

    “Neue Offenheit heißt auch sich als “Reba-Idiot” zu outen.”

    So wie ich die ‘neue Offenheit’ von Reba Si momentan verstehe, stimmt das leider.

    “Die Reba84 sticht nicht nur durch die Lage, sondern auch durch das (“subkulturelle”) Potential, das dort
    zwischenzeitlich zu spüren war – wie Exka und Sommerakademie – und nun wieder ist, aus der Chemnitzer Subkulturszene heraus.”

    Was interessiert denn irgendein “subkulturelles Potential”? Das kann doch allerhöchstens Nutzargument sein.

    “Dass einige der Bewohner durch die zurückliegenden Quärelen entnervt und sich dieses Potentials nicht mehr bewusst sind,
    kann ich allerdings nachvollziehen.”

    Ich denke, es ist ein schwerwiegender Fehler, die Position der (Ex-)Aktiven in der ReBa lediglich als Burn-Out-Syndrom hinzustellen.
    Da gab es mitunter auch sinnbringende Reflektionsprozesse. Soll heißen: Die Position, das Projekt ReBa84 aufzugeben, resultiert
    nicht immer automatisch aus einem plötzlichen Schwächeanfall, sondern kann durchaus gut überlegt sein. Gerade deshalb sollte das
    auch Reba Si interessieren.

    “Gerade deshalb ist es aber gut, dass sich nun andere für ein neues Image des
    Projektes einsetzen.”

    Von mir aus.
    Fragt sich nur, wo der (politische) Inhalt bleibt, wenn alle Ö-Arbeit machen oder bauen.

  7. Kommentarmoderator 24. März 2010, 09:48 Uhr

    Wir – die Gruppe Öffentlichkeitsarbeit – haben uns entschieden Kommentare wieder zuzulassen. Dies ist auch unserem Anspruch auf neue Offenheit geschuldet.
    Beleidigende Kommentare werden gelöscht. Das hat nichts mit Zensur zu tun, sondern mit Anstand und Diskussionskultur.

    Die Anregungen aus den Kommentaren (auch aus gelöschten) werden und wurden aufgenommen und wurden und werden weiterhin reflektiert.

    Wir halten fest: Unser Statement und damit das Statement der Initiative ist der Blogbeitrag. Dieser durchlief das Plenum und ihm wurde zugestimmt. Das Plenum hatte sich im Übrigen gegen den Begriff “Heimat” ausgesprochen, weshalb er in den Pressemitteilungen auch nicht auftauchte, die an die Medienvertreter gingen. Dass er sich hier auf dem Blog wiederfand, war der Tatsache geschuldet, dass übersehen wurde die neueste Version einzupflegen. Dafür möchten wir uns entschuldigen.

  8. Frank Weißbach 24. März 2010, 10:53 Uhr

    @peter
    Ein neues Image in der Öffentlichkeit bildet m.E. überhaupt erst die Arbeitsgrundlage der gesamten Initiative.
    Der Begriff “ExKa” hat sich zwar mittlerweile in den Köpfen eines Teils der Chemnitzer Bevölkerung manifestiert, doch sind die Ziele und Projekte der Idee damit kaum verbunden.
    Dies zeigt sich mir besonders deutlich, wenn im allgemeinen Sprachgebrauch immer noch vom “besetzten Haus” und von den “linken Chaoten” die Rede ist. Inhalte sind in der Bevölkerung nicht angekommen, und hier muss angesetzt werden.
    Dafür ist Öffentlichkeitsarbeit nötig, die dieses eben von mir beschriebene “alte Image” so transportiert, dass es auch von der Bevölkerung wahrgenommen, verstanden und bestenfalls gemocht wird.

  9. Frank Weißbach 24. März 2010, 11:37 Uhr

    @Jesus (yeah, dass wollte ich immer schonmal schreiben)

    Ich denke, dass man zwischen der Intention, die der Nutzung der Reitbahnstraße 84 zugrunde liegt, und auch damals der Besetzung des “Kämpfers”, unterscheiden muss, zu dem, was sich mittlerweile da entwickelt hat (und hätte können) und was damals 2007/2008 noch nicht absehbar war (wohl auch nicht von der GGG).

    Ich zolle den Hausbewohner Respekt, für den damaligen Mut und für die derzeitige Bewirtschaftung des Gebäudes.

    Was sich nun aber in der Zeit der Nutzung der Reitbahnstraße 84 ( & 82, 80) entwickelt hat (und noch hätte entwickeln können), nämlich eine rege Subkulturlandschaft, v.a. zu Zeiten der Sommerakademie, und die Projektidee “Experimentelles Karree”, die sich teils auch auf die Ansiedlung an genau diesem Ort begründen, ist für mich nicht nur ein Update der Forderung leerstehende Häuser unkompliziert Initiativen zur Verfügung zu stellen, sondern ein konkretes Element der Stadtentwicklung für dieses Viertel und damit für die Stadt selbst.
    Die Ergebnisse des Refektionsprozesses würden ich und sicher auch viele andere gern hören.

  10. peter pauke 24. März 2010, 13:13 Uhr

    @Weißbach

    “ich denke, dass man zwischen der Intention, die der Nutzung der Reitbahnstraße 84 zugrunde liegt, und auch damals der Besetzung des “Kämpfers”, unterscheiden muss, zu dem, was sich mittlerweile da entwickelt hat (und hätte können) und was damals 2007/2008 noch nicht absehbar war (wohl auch nicht von der GGG).”

    Worin soll dieser Unterschied denn bestehen? Das, was die Reitbahnstrasse zur Zeit ist, bildet in der Summe selbstverständlich das ab, was auch die Intention der Kämpfer-Besetzung gewesen ist. Wieso sollte das auch anders sein? Schliesslich sind überwiegend die Bewohner und deren näheres Umfeld für die Inhalte der Veranstaltungsfläche verantwortlich.

    Du tust so, als wären die Akteure der Reitbahnstrasse daran gescheitert, dass die inhaltliche Entwicklung nicht mehr ihren Intentionen entspricht (obwohl das für einige sichlich auch zutrifft). Das ignoriert doch völlig, dass die GGG hier den Schlussstrich gezogen hat und nicht Akteure.

    “…nicht nur ein Update der Forderung leerstehende Häuser unkompliziert Initiativen zur Verfügung zu stellen, sondern ein konkretes Element der Stadtentwicklung für dieses Viertel und damit für die Stadt selbst.”

    Wenn du dir die einschlägigen Beiträge mal ansehen würdest, könntest du feststellen, dass das Exka in den letzten 2 Jahren, vermutlig mehr als jede andere Institution in dieser Stadt, den Entwicklungsstrategen für das Viertel gespielt hat.

    Ein kleinen aber feinen Unterschied gibt es dann doch noch zu Reba Si-Initiative: Das Exka war sich stets bewußt, dass die eigenen Marketing-, Entwicklungs-, und Verwertungsargumente gegenüber Stadt und GGG zwar notwendig, aber immer schon einen Schritt von den eigenen Anliegen entfernt sind. Ob Reba Si das auch so sieht, bin ich mir im Moment noch nicht so sicher.

    Neben dem Exka-Blog im allgemeinen kann man auch den “Reader zum Stand der Dinge” von Juni ’09 zur lektüre empfehlen:
    http://exka.org/
    http://exka.org/files/exka-reader-0609.pdf

  11. Frank Weißbach 24. März 2010, 14:26 Uhr

    “Worin soll dieser Unterschied denn bestehen? Das, was die Reitbahnstrasse zur Zeit ist, bildet in der Summe selbstverständlich das ab, was auch die Intention der Kämpfer-Besetzung gewesen ist. Wieso sollte das auch anders sein? Schliesslich sind überwiegend die Bewohner und deren näheres Umfeld für die Inhalte der Veranstaltungsfläche verantwortlich.”

    Korrigiere mich bitte, wenn ich falsch liege:
    Die Reba84 ist zur Zeit ein Wohn- und Kulturprojekt des Vereins “Wiederbelebung kulturellen Brachlands” (WKB). Theoretisch könnte das auch in einem anderen Haus stattfinden, was ja auch angedacht ist, weil die GGG kündigte und der WKB akzeptierte.

    Was allerdings in diesem Projekt gewachsen ist und was natürlich auch ein Verdienst der Bewohner ist, ist die Idee des Exka. Und die ist größer und auch nicht so einfach in ein anderes Haus abzuschieben, da es sich um ein konkretes Element der Stadtentwicklung für dieses Viertel handelt. Die Legislative der Stadt hat auch ihre Bereitschaft signalisiert dieses Element zu fördern. (siehe Stadtratsbeschluss)

    Hier setzt meines Erachtens die Initiative “Reba Si” an. Genaugenommen müsste die Initiative wohl eher “Exka Ja! Und bitte in der Reba!” heißen.

  12. tsss 24. März 2010, 15:30 Uhr

    “Worin soll dieser Unterschied denn bestehen? Das, was die Reitbahnstrasse zur Zeit ist, bildet in der Summe selbstverständlich das ab, was auch die Intention der Kämpfer-Besetzung gewesen ist. Wieso sollte das auch anders sein?.”

    jetzt weiß echt ich icht ob ich lachen oder heulen soll bei so einer aussage. selbstverständlich??? die reba bildet das ab was wir damals wollten? das ist doch lächerlich.

    und nochmal zum thema “heimat”. schön dass das plenum im endeffekt abgelehnt hat derartige begrifflichkeiten in PMs etc. zu benutzen. aber schon dass darüber diskutiert werden muss find ich gruselig.

  13. knurzel 24. März 2010, 15:44 Uhr

    @frank

    irgendwie komm ich mir verarscht vor.
    welches interesse sollte eine bewohnerin der reitbahnstrasse an einer tollen öffentlichkeitsarbeit zum thema exka und stadtentwicklung haben, wenn die konsequenz für sie leztendlich darin besteht hier aus dem haus rauszufliegen? merkst du noch was?
    vielleicht solltest du dich mal mit dem exka-prozes auseinandersetzen, bis jetzt scheinst du das ja gründlichst vermieden zu haben.
    zu glauben das scheitern des exka prozesses habe etwas mit schlechter öffentlichkeitsarbeit und zu wenig offenheit zu tun und man müsse jetzt mal nur n bisschen auf den putz hauen und dann läuft das schon, also echt da fehlen mir die worte…

  14. Frank Weißbach 24. März 2010, 16:22 Uhr

    @knurzel
    Nein.
    Ich sage nicht, dass das Exka wegen schlechter Öffentlichkeitsarbeit gescheitert ist, sondern, dass es nur mit besserer und intensiverer Öffentlichkeitsarbeit noch die Chance auf Rettung gibt.

    Ich denke, dass ich meinen Standpunkt mithin ausführlich dargelegt habe.

  15. Meister Internet 24. März 2010, 17:02 Uhr

    leute die sich “initiativ” zeigen und sich auch selbst so attributtieren haben prinzipiell gar nichts verstanden. ihr sprachamalgam aus romantisierter volksbefreiungsideologie (reba si!) und werbeduktus (zugpferde) versteigt sich zusätzlich mit dem heimatquatsch ins überhaupt unhaltbare. mit dem text und den kommentaren fällt reba si hinter hinter alles zurück, was das exka bis dato zumindest intern für mich überhaupt vertretbar gemacht hat: nämlich das bewußtsein, dass sämtliche realpolitischen argumente – ich denke da v.a. an standortlogiken – die etwa im Reader oder sonstigen Texten vertreten worden sind, letztlich doch, wie hier schon mehrfach angeführt, Nutzargumente(!) gewesen sind. nach jedem treffen mit irgendwie auch notwendig verblödeten akteuren traten diese verwerfungen zwischen realpoltik und dem eigenen, kritischen begriff von gesellschaft zu tage. ach: eigentlich kann ich peter pauke als gar nicht mal galligen bedenkenträger nur zustimmen, wenn er schreibt “Ob Reba Si das auch so sieht, bin ich mir im Moment noch nicht so sicher.”

  16. dankwart schädlich 24. März 2010, 20:00 Uhr

    dáccord @ meister internet, wenngleich ich überstarke Ausdrücke der letzten posts kontraproduktiv finde, da reba si auf seine Weise auch wieder geil ist. Im Grunde spüre ich bei einzelnen Beiträgen die Freude darüber, endlich wieder einmal einen deppen zu haben. Statt beizeiten zu intervenieren (im PLenum, in Gesprächen, beim erstellen von PM´s), ist es wohl für einige eine diebische Freude, die neuen (mit ihrem teilweise notwendig falschen Bewusstsein) in Fallen tappen zu lassen. Klar ist Intuition (unter den gegebenen gesell. Verhältnissen) kein guter Ratgeber. So kommt Mensch schliesslich zu dem Geblubber von “Heimat erzeugt Identität” und Stolz auf Gott und die Welt. So redet man halt, wenn man (“es”) sprechen lässt. “Das Zufallsgespräch mit dem Mann in der Eisenbahn, dem man, damit es nicht zu einem Streit kommt, auf ein paar Sätze zustimmt, von denen man weiß, dass sie schließlich auf den Mord hinauslaufen müssen, ist schon ein Stück Verrat”

    Nichtsdestotrotz ist “merkst du noch was?
    vielleicht solltest du dich mal mit dem exka-prozes auseinandersetzen, bis jetzt scheinst du das ja gründlichst vermieden zu haben.” typischer BlogDuktus in Auseinandersetzung mit Nazis. Ich mag nichts gewöhnt sein, doch die je besondere Situation erfordert (öde) Kompromissbereitschaft.
    Das Exka war tatsächlich (scheinbar) cooler, da es sich selbst nicht so ernst genommen hat, ökonomische Argumente offensiv überhöht hat und (eingeschränkt) ironisch war. Unter den neuen Bedingungen rücken wesenhaft “linear” denkende Leute nach, die an ihre eigenen, affirmativen Aussagen scheinbar glauben. Ich freue mich auf neue Diskussionen.

  17. Gregor 29. März 2010, 16:29 Uhr

    Nu denn…Was genau ist das “falsche Bewußtsein” ?
    Wer sind die “linear denkenden” Menschen und wer sind hier die Nichtlinearen ?
    Wo genau war nochmal das Problem mit den sechs Buchstaben die man
    nicht aussprechen darf ?
    Verständlich ist die Sorge, daß durch Kompromisse um eine Idee oder ein Projekt zu retten, das Ureigentliche der Sache verwässert wird – meint ihr, der Punkt ist erreicht ? (Kann ich schwer sagen, da ich nicht von Anfang an dabei war). Falls ja: Wo sind die Alternativen ?

    Ich bin ebenso gespannt auf neue Diskussionen.

  18. Jesus der spasssige Komponist 30. März 2010, 16:41 Uhr

    “Nu denn…Was genau ist das “falsche Bewußtsein”?”

    Der Begriff ‘falsches Bewusstsein’ spielt darauf an, dass die Initiative Reba Si die laufenden und gelaufenen Prozesse anscheinend nicht ausreichend reflektiert. Das schlägt sich im unkritischen Umgang mit bestimmten (politischen) Begriffen und Äußerungen

    (Heimat, Patriotismus, neue Offenheit) genauso nieder wie in der offenbar ernstgenommenen Marketing-Strategie oder der
    Aufopferung für ein anonymes Subjekt (‘Subkulturszene’).

    Das ganze Unterfangen kommt also durchaus blauäugig daher
    .

    Der oben gebrauchte Begriff des ‘notwendig falschen Bewusstseins’ geht zusätzlich davon aus, dass das auch gar nicht anders sein kann, weil die Akteure von Reba Si eben
    keine ‘linksradikale’ Sozialisation durchlaufen haben. Da sitzen eben keine Anarchisten, keine
    Antideutschen, keine Kommunisten, niemand der den Wikipedia-Artikel zu Adorno auswendig kann.
    Da sitzen Bauchlinke, von denen man ‘nichts’ zu erwarten hat und bei denen man auch ‘nichts’

    voraussetzen kann, schon gar nicht den eigenen sozialen/politischen Reflektionsgrad. Da bleibt nur,

    den Prozess progressiv-kritisch zu begleiten.

    Insofern ist der Begriff natürlich problematisch
    . Er impliziert, dass man für sich selber das ‘richtige Bewusstsein’,
    also im Endeffekt das Richtige im Falschen reklamiert.
    Es könnte sich hier also höchstens um ein ‘notwendig falscheres Bewusstsein’ handeln. Trallalla… Willkommen im Begriffsjungel!

    “Wo genau war nochmal das Problem mit den sechs Buchstaben die man

    nicht aussprechen darf?”

    Hier wird berechtigte Kritik am Inhalt vorbei zum irrationalem Verbot stilisiert.
    Es ging beim Begriff Heimat nicht ums Aussprechen, sondern um einen positiven Bezug darauf.
    Was daran so schlimm ist?
    Heimat impliziert immer ein Zwangssystem
    . Heimat ist ein Konstrukt, ein anonymes Subjekt.
    Sich auf dieses positiv zu beziehen und sich dafür auch noch aufzuopfern statt endlich abzuahuen,
    geht weg von der Orientierung an den Bedürfnissen des Individuums. Das Gegebene wird zum Gewollten
    erklärt: Chemnitz = Heimat = notwendig irgendwie schön (schönes Wetter), schönzumachen (Reba Si), schönzureden (‘Wir’ sind gut im Fußball…).

    Mithin ist Heimat per se nie progressiv.

    “Verständlich ist die Sorge, daß durch Kompromisse um eine Idee oder ein Projekt zu retten,

    das Ureigentliche der Sache verwässert wird – meint ihr, der Punkt ist erreicht?”

    Ich denke, dass die ‘Alt-Aktiven’ aus dem ReBa-ExKa-Komplex diese Sorge gar nicht unbedingt haben.
    Denn eines ist klar: Das Projekt wird sich so oder so grundlegend verändern. Deshalb sollte Reba Si auch
    nicht versuchen, ‘die ReBa’ zu retten. Das wird nichts werden, denn das Ureigene der Sache waren nun mal die zumeist irgendwie ‘linksradikalen’ Spuckis,
    die diese Projekt getragen haben.
    Es wird da eben einen Bruch geben, der sich
    ja bereits ankündigt. Das ist dann einfach ein anderes Projekt. Aber eben auch nicht irgendein Projekt.
    Demnach wird sich hier wohl nach und nach eine Mischung aus Kritik und Machen-Lassen einstellen.

    “Wo sind die Alternativen?”

    In Leipzig, Portland und der Schweiz.

  19. Gregor 30. März 2010, 22:32 Uhr

    Leider kann ich hier auf alle Deine Argumenten nicht adäquat eingehen.
    Aber: Die Schweiz – wunderbar, da bin ich die nächsten drei Monate! Ich werde mich sofort nach den Alternativen umschauen und nach meiner Rückkehr berichten ! Falls Du dann nicht in Leipzig bist (da war ich die letzten fünf Jahre die meiste Zeit und kann auch da zum Thema Alternativen informieren!) oder gar in Portland (wo ich leider noch nie war) könnten wir uns weiter austauschen!

    Bis dahin sollten die ExKas und ReBas der 1. Stunde nicht vergessen, daß die Mittel und Denkweisen, die zur “Rettung” der ReBa genutzt werden, ja nicht zwangsläufig die sein müssen, mit denen es dann (falls es eine Perspektive gibt) dort auch weitergehen muss.
    Will sagen: Dann können Heimat, Subkultur und neue Offenheit ja vielleicht wieder abdüsen und es entsteht was neues oder gar altes ?
    Aber ich denke es sollte zumindest in Erinnerung bleiben, dass sich die nicht “linksradikal sozialisierten” (oh weh, ich glaube, ich scheide aus…) mit dem falschen Bewußtsein und dem unkritischen Umgang mit niemals und nie progessive gewesenen Begriffen irgendwie für Euer Projekt interessiert haben und es toll fanden und ganz viel Zeit und Energie hineinstecken wollten.
    Komisch…

  20. Gregor 30. März 2010, 22:34 Uhr

    Ach je, jetzt seh ich all meine dusseligen Tippfehler – sorry !

  21. horst 31. März 2010, 10:51 Uhr

    @ jesus:

    falsch, heimat ist in dieser logischen folge objekt, nicht subjekt. (klugscheiß)

  22. achokracho 31. März 2010, 11:38 Uhr

    Notwendig falsches Bewusstsein

    Bewusstsein: Bei einer Ideologie handelt es sich um ein bestimmtes Bewusstsein. Eine Ideologie ist etwas Gedachtes, etwas, was sich im Kopf von Einzelnen abspielt. Ideologien müssen gedacht werden. Ideologie verlangt die Reflexionsleistung des einzelnen Menschen.

    Falsches: Aber eine Ideologie ist auch etwas Falsches. Heißt: nicht jedes Bewusstsein ist eine Ideologie, da nicht alles Gedachte falsch ist. Nur falsches Bewusstsein ist ideologisch.

    Notwendig: Einerseits sagt das, dass in dieser Gesellschaft notwendig so gedacht werden muss (Anm.: aus Materiellen Gründen oder eben um sein Handeln für den Standort zu rechtfertigen). Das steht aber im Kontrast zu den anderen Bestimmungen der Ideologie. Einerseits ist eine Ideologie ja etwas Bewusstes. Bewusstsein gründet aber darauf, dass, wenn jemand denkt, dabei auch was anderes als erwartet rauskommen könnte. Was soll also die Rede vom notwendigen Denken? Weiterhin: Wie kann etwas Notwendiges falsch sein? Oder etwas Falsches notwendig? Im Begriff der Notwendigkeit klingt schließlich immer auch an, dass etwas richtig ist. Notwendiges kann doch wohl nur richtig sein? Aber das Wesen der Ideologie besteht im Kern gerade darin, sowohl notwendig als auch falsch zu sein. Die Bestimmungen der Ideologie dürfen nicht ineinander aufgelöst werden.

    Zum weiterlesen: http://www.conne-island.de/nf/163/21.html

  23. dr_d 6. April 2010, 15:50 Uhr

    auch wenn man in chemnitz nicht philosophie studieren kann, so ist dieser blog bisher dennoch philosophie in ihrer reinen form
    sie muss nur sich selbst genügen und verfolg zuerst auch keinen anderen zweck ausser ihren eigenen.
    da sie aber aus diesem grund nur ernstzunehmen ist wenn sie neue fragen auf nicht gegebene antworten formuliert hier eine frage:

    QUI BONO ?

  24. helmut 7. April 2010, 11:25 Uhr

    klick! – keine philosophie und nicht ernst zu nehmen.

  25. rico bannwitz 7. April 2010, 20:26 Uhr

    oh doch, man kann philosophie an der TU chemnitz studieren. Wie man so schön sagt “auslaufend”
    klick! – chemnitz, wie es am schönsten ist – ganz Blume des Ostens

  26. dr_d 8. April 2010, 13:37 Uhr

    @ helmut
    eine frage zu komentieren ist realpolitisches stilmittel
    bei genauerm hinsehen fehlt die antwort
    (gerade deshalb ernstzunehmen, weil sich der stil in deiner antwort fortsetzt (q.e.d.) )
    @ rico
    frage: wie duftet eigentlich chemnitz?

  27. jan jenke 8. April 2010, 16:33 Uhr

    [gelöscht]

  28. Gregor 8. April 2010, 18:49 Uhr

    [gelöscht]

  29. Gregor 9. April 2010, 17:48 Uhr

    Na also ein bisschen Spass muss ja auch mal sein, oder ?
    Tss, tss, wird gleich alles wieder weggelöscht…

Mit Liebe und Wordpress.

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